Stiftwerk

Ute Bescht

Diesmal:

WENN DER WERT EINES WERKES IM DUMPING DER RESPEKTLOSIGKEIT VERSINKT

Es gibt Momente, angeregt durch Begebenheiten, die lassen einen nachdenken. Über die eigenen Verfahren, die eigene Wertigkeit , die eigene Einstellung zu seinem Schaffen. Ich bin Bildgestalter – auch bekannt unter dem Label Künstlerin ( ja, ich lege hier ausnahmsweise mal Wert auf Gender!) Keine lange Vorgeschichte: Anruf eines Interessenten für meine Werke…

Eigentlich wollten wir was anderes…  DAS will der Künstler hören!

” Wir waren gerade bei Ihnen im Haus in Bremen und haben eigentlich ein Werk einer anderen Künstlerin kaufen wollen, das kam dann aber wegen fehlender Tiefe unserer Räumlichkeiten nicht in Frage. Dann haben wir ihre beiden Werke zu dem KZ Thema gesehen. Die würden gut passen. Und um die Wirkung zu haben , sollte man die beiden Bilder nicht trennen.”

Ich war das erste Mal leicht distingiert, da mich dieses “eigentlich” störte. Bin ich also der schlichte Ersatz? Ich war augenscheinlich nicht die erste Wahl – und das ruft bei mit grundsätzlich Missbilligung auf den Plan. Dazu bin ich Diva genug, und lass es mir auch nicht nehmen!

Werk: Milkcan Memories | HIM

Teil 2 der Aussage

” Aber die Rahmen dafür sind ja doch recht einfach. Ich habe hier am Ort einen Rahmenbauer, der auch Museen bestückt – dem habe ich es geschildert, auch die Tatsache dass die Aquarelle ja locker im Rahmen befestigt und wellig sind. Außerdem ist in einem der Werke ein Knick im Papier – und ich bin Perfektionist. Laut des Fachmanns kann man die Aquarelle dann mit einer zusätzlichen Glasplatte beschweren, und ich möchte ja auch direkt beleuchten. Somit muss der Rahmen natürlich auch qualitativ hochwertig sein, damit die Farbe nicht verblasst. Pro Bild kostet mich der Rahmen um die 250,00 Euro. Nun ist die Frage, können wir am Preis der Bilder noch was machen?”

PROZENTE? JA- ALS ARRANGEMENT

Da wir in der Künstlergemeinschaft untereinander über einen Prozentsatz von Rabatt bei Spontaninteresse einig sind, habe ich ihm den auch zugesagt. Er will das mit seiner Frau besprechen und dann sollte ich doch Samstag nochmal in das Künstlerhaus kommen, damit er es sich genau ansehen kann um dann zu entscheiden, ob er es erwerben will oder nicht.

Durchatmen… warten.

Es fing erst ganz leise an, das Grummeln in der Magengegend, nach dem Telefonat. Aus dem Grummeln wurde ein Brodeln. Mir wurde tatsächlich etwas übel. Warum? Weil mir bewusst wurde, wie wenig Respekt dieser Interessent wohl aktuell an dem Werk mit einer verdammt emotionalen Aussage hat. Nicht nur, dass er mich als zweite Künstler-Wahl bescheinigt hat, sondern auch rein für Präsentationszwecke bereit ist, horrendes Geld für die Rahmung zu zahlen- mit mir aber über den Preis der Werke feilscht.

Werk: Milkcan Memories | HER

Wert = Wertschätzung?

Emotional angegriffen – wertlos geschätzt ich in Person als die Gestalterin dieses Kunstwerks- schlichte Degradierung auf Deko? All das brodelt in meinem Magen. Weil ich aber schnell in den Kopf schalten kann, vereise ich die aufsteigende Hitze in pragmatische Argumentation: Er schätzt die Werke zumindest aber so sehr, dass er bereit wäre, dafür extra zu einem Museums-Ausstatter zu gehen. Und schließlich ist Kunstkauf heute keine Notwendigkeit für das Überleben.

Leuchtende Augen ist was ich will!

Einen Tag später – haderte ich. Ich hadere mit meinem überschnellen Einverständnis, ihm die Chance zur Überlegung zu geben. Dazu muss man die folgende kleine Geschichte kennen: Vor einigen Jahren war ein Werk von mir das begehrte Objekt von zwei Parteien: Ein junges Päärchen, das augenscheinlich auf der Suche nach Dekoration war und sich vor eben jenem Werk über farbliche Stimmigkeit zum Rest der Einrichtung unterhielt. Der Preis war für die beiden auch kein Thema. Er ging schlichtweg nur darum, ob meine Kunst die Farbgebung des Raumes unterstützen würde- den Sinn hinter dem Werk haben die beiden gar nicht ergründet. Sie verabschiedeten sich mit der Aussage, gleich nochmal wiederzukommen, falls sie eine Entscheidung getroffen hätten.

Hütet euch vor dem “WIEDERKOMMEN”

Zeitgleich lief immer wieder eine junge Frau vorbei, stand vor dem Werk, betrachtete es liebevoll, warf mir ab und zu schüchterne Blicke zu , lächelte und verschwand wieder. Nach der dritten Runde hielt ich sie auf. Ob sie Interesse an dem Werk hätte, fragte ich. Ja, sagte sie, und meinte:

” Ich weiß, dass dieses Bild das Lieblingswerk meiner Freundin ist, sie hat es lange vorher schon im Internet gesehen, und jetzt hier live. Sie ist fasziniert! Meine Freundin ist etwas ganz besonderes für mich, sie war für mich da, als es mir sehr schlecht ging, und ich würde es ihr gerne schenken. Weil ich mich mit etwas ganz Besonderem dafür bedanken möchte. Aber ich kann es mir einfach nicht leisten.”

Wieviel sie denn geben könnte, habe ich sie gefragt. Sie nannte mir eine Summe, die wirtschaftlich betrachtet nicht wirklich Sinn machte. Doch das interessierte mich nicht: “Kommen Sie nachher vorbei – ich verpacke es in der Zwischenzeit.”

Die Augen vergesse ich niemals, das erst ungläubige Staunen, dann das Leuchten des Verständnisses dafür, was gerade passierte, das unerwartete Glück, das blitzt. Man konnte es förmich sehen, was sich in diesem Moment in ihr abspielen musste: Ihre Überraschung für die Freundin – und deren Leuchten spiegelte sich gerade in ihren Augen. Die reinste Form von Zufriedenheit überkam mich in dieser Sekunde. Unbezahlbar!

Das andere Päärchen kam später tatsächlich und war erbost, dass das Werk mit einem roten Punkt versehen war. Aber mir ging es gut – sehr gut sogar. Weil ich wusste, ich habe genau die richtige Entscheidung getroffen. Weil ich leuchtende Augen produziert habe. Weil jemand meine Arbeit und mein Können wertschätzte, indem sie meine Kunst kaufte und weiter verschenkte.

LEBEN REGELT – VERTRAUE

Zurück zu unserem Basar-Interessenten. Der meldete sich dann Tage später per Textnachricht, er könne die Werke jetzt eh nicht kaufen, er hätte einen Heizungsschaden, der es ihm nicht erlaube, sein Geld für Kunst auszugeben. Ich muss sagen: Gott sei Dank!

UTE BESCHT

Künstlerin, Diva, Mensch. Was vom Kopf in die Hände fließen kann, ist Ausdruck meiner Seele. Ich versuche immer, den für mich richtigen Ton zu treffen, interessiere mich aber nicht für die unqualifizierte träge Masse, die eine Aufwärtsbewegung als feindliche Übernahme ansieht und mir mir dem moralischen Zeigefinger droht. ( Danke, Suzanne Grieger – die du mir die Philospophie der Deppen und Psychopathen näher gebracht hast…)

Lasst uns Verbindung schaffen

ihr findet mich auf den gängigen Kanälen. Ich freue mich auf euch!

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